19 | 11 | 2019

Auf französischen Abwegen…

Die erste Radsaison von Christoph im Team Balma Olympique Cyclisme,

im Januar 2011 bin ich mit meiner Familie von Hamburg nach Toulouse gezogen. Nachdem der ganze Umzugsstress vorbei war, machte ich mich schnell auf die Suche nach anderen Radsportlern. Tipps bekam ich von Sportsfreunden der Airbus SG und somit waren schnell erste Kontakte zu deutschen Fahrern in Toulouse geknüpft. Regelmäßige Trainingsausfahrten ließen sich jedoch nur schwer organisieren. Somit war klar – ich muss mir neben der Airbus SG Hamburg einen weiteren Club  suchen.

 

 

Nach kurzer Internetrecherche schloss ich mich dem B.O.C. (Balma Olympique Cyclisme) an. Balma ist ein kleiner Ort im Westen von Toulouse, der gleich bei mir um die Ecke liegt. Die erste Kontaktaufnahme erwies sich leichter als erwartet, da die Präsidentin deutsch sprach. Sie hatte mehrere Jahre in Frankfurt am Main gewohnt. Kurze Zeit später radelte ich also zum Treffpunkt der sonntäglichen Ausfahrt des Clubs am Rathaus von Balma. Dort angekommen, war ich sehr überrascht: das sah nicht aus wie eine Vereinsausfahrt, sondern eher wie der Start einer RTF. Vierzig bis fünfzig Radsportler standen da und nach kurzer Einteilung in 3 Gruppen ging’s los auf eine 100 km Runde ins hügelige Umland von Toulouse.

 

 Nach dem Training war ich um einiges schlauer: Franzosen interessieren sich sehr für Ihnen unbekannte Radmarken, man wird den letzten Anstieg raufgeschoben, wenn man nicht mehr ganz mitkommt, und man sollte immer das Hinterrad des Vordermann im Auge behalten, da hier im Training etwas undisziplinierter als in Deutschland gefahren wird. Ebenso fand ich trotz meiner zu diesem Zeitpunkt noch rudimentären Französisch Kenntnisse heraus, dass in Frankreich gemeinsames Training nur am Wochenende oder für Ruheständler am Mittwochnachmittag stattfindet. Die familienfreundliche Organisation der Ausfahrten unter der Woche nach Feierabend wie in Deutschland gibt es einfach nicht.

 

Nachdem ich die ersten beiden Saisons  in Toulouse  mit gelegentlichen Ausfahrten des Clubs, mit deutschen Freunden und Leuten vom T.O.A.C., dem Airbus nahestehenden Radsportclub, verbracht hatte, machte der neue Clubpräsident Druck, mehr Präsenz bei Radrennen zu zeigen. Somit ließ ich mich breit schlagen, beantragte eine Rennlizenz in der 4.Kategorie und fuhr im April mein erstes „französisches“ Straßenrennen, den lokalen Klassiker „Aussonne-Aussonne“. Bei mir kam gleich „Tour de France“ Feeling auf, bei einem Starterfeld von 200 Fahrern, Begleitwagen vollgepackt mit Ersatzrädern und Begleitmotorrädern. Die Realität holte mich jedoch am ersten längeren Anstieg ein, als ich vom Hauptfeld abreißen lassen musste, es jedoch in einer 10köpfigen Gruppe bis ins Ziel schaffte. Eine Platzierung konnte ich natürlich vergessen, aber meine Clubkameraden, die alle vor mir im Ziel angekommen waren, klopften mir anerkennend für mein erstes Rennen auf die Schulter.

 

Insgesamt wurden es dann in dieser Saison 11 Rennen, darunter ein Sieg, 3 Podiums, ein zweiter und ein dritter Platz bei den Rennserien Challenge des Nocturnes und Challenge d’Automne. Auch wenn die Saison gerade zu Ende gegangen ist, kann ich es kaum erwarten, dass es Ende März mit den ersten Rennen wieder losgeht. Ziele für 2014: Aufstieg in die 3. Kategorie (hierfür brauche ich 2 Siege in der 4. Kategorie) und ein Podiumsplatz bei „Aussonne-Aussonne“

 

Weiterhin kann ich nach meiner ersten Rennsaison sagen: das französische System macht es Rennein- und Wiedereinsteigern relativ leicht sich zu entwickeln, da es 5 unterschiedliche Niveaus (Kategorien) gibt und man somit auch schnell erste Erfolge erringen kann. Innerhalb des Verbandes FSGT, dem mein Club angehört, gibt es jedes Wochenende im näheren Umkreis von Toulouse Rennen, meistens Kriterien oder Rundstreckenrennen um den Dorfkirchturm, aber auch Etappenrennen (Tour Tarn Sud, Tour des Hautes Pyrénées) und im Sommer Nachtrennen (Nocturnes) unter der Woche.

 

 Die Disziplin im Rennen und das technische Können der Lizenzfahrer ist sehr gut, ich habe bei meinen bisherigen Rennteilnahmen keinmal einen Sturz mitbekommen, was ich von den Cyclosportives, den französischen Jedermannrennen, oft Großveranstaltungen mit bis zu 4.000 Teilnehmern, nicht sagen kann. Somit kann ich nur jedem empfehlen, den es in das Heimatland des Radsports verschlägt, es mal mit einem französischem Radsportclub und mit Lizenzrennen zu versuchen!